(...) "Kann man für 111 Euro ein sicheres Fahrrad bekommen?" Der öffentlich bestellte und vereidigte Fahrradsachverständige Dirk Zedler antwortet mit einem "klaren Nein." Für so wenig Geld lasse sich kein Rad bauen, das längere Zeit durchhält. Ein Kollege habe Billigräder einmal als "fabrikneuen Sperrmüll" bezeichnet. Harte Worte. Armes "111er". So übel sieht es nicht aus.
(...) Endlich ist es soweit. Das "111er" macht den Anfang. Die Horrorberichte über Billigräder im Kopf, Dirk Zedlers Warnungen in Erinnerung, schleicht sich ein gespannt-mulmiges Gefühl ein. Ein gebrochener Lenker oder ein kaputte Sattelstütze sind nicht wirklich lustig.
(...) Andere Momente kosten allerdings deutlich mehr Mut. Zum Beispiel schnelle Fahrten bergab. Hält es? Ja. Der Sachverständige Dirk Zedler kennt viele andere Fälle: "Abfallende Bremsen, platzende Schläuche. Alles, was Sie sich vorstellen können." Glück gehabt.
(...) "Welches Rad kaufen?" Guter Rat - oder gutes Rad - ist in diesem Fall ein bisschen teuer. Der Fachmann warnt vor dem "111er" und seinen billigen Freunden. Dirk Zedler empfiehlt den Fachhändler und einen Geldbeutel mit mindestens 400 Euro. Gut angelegtes Geld, sagt der Ludwigsburger, denn: "Man kauft ein Mehr an Service." Händler bauen das Rad zusammen, prüfen es. Und sie laden ein paar Wochen später zur Inspektion: "Nach einer Einfahrzeit ist das Rad dann wieder top in Schuss", sagt Dirk Zedler. Der Mann hat sicher recht. Es war von Beginn an ein unfaires Rennen. (...)
Autor: Marcus Bürzle
Augsburger Allgemeine, 24.05.2008
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