Die Rheinpfalz, 26.06.2008
Lesedauer 1:30 Minuten

Blickpunkt: Extrem-Material Karbon

(...) Karbon ist völlig anders als Aluminium oder Stahl - das Fasermaterial ist groß in Mode. (...) Doch "leicht und billig" ist schon beim Aluminium "keine gute Kombination" gewesen; noch viel weniger "beim sensiblen Werkstoff Karbon".

Eine Feststellung, die der vereidigte Fahrrad-Sachverständige Dirk Zedler aus Ludwigsburg nur unterstreichen kann. (...) Was Karbon betrifft, so ist Zedler der Ansicht: "Schlechte Produkte nachlässiger Hersteller oder der falsche Einsatz können den Ruf eines grundsätzlich guten Werkstoffs gefährden." Außerdem sieht er Karbon als nicht für jeden Radtyp geeignet an: "Beim Trekkingrad, das tagsüber irgendwo unbeobachtet herumsteht, macht das Material nicht viel Sinn."

Interview:

DR: Herr Zedler, haben Sie jetzt mehr Arbeit als vor der Karbon-Modewelle?

DZ: Ja, es gibt eine dramatische Häufung von Schäden an Rahmen. Nicht unbedingt wegen Unfällen. Sondern wegen Dingen, die normalerweise Problemchen wären, bei Karbonrahmen aber zum Problem werden.

DR: Zum Beispiel?

DZ: Man lehnt das Rad an, es kippt um. Bei Aluminium wäre eine Delle drin, bei Karbon hat sich - eventuell unsichtbar - ein Riss gebildet. Die Leute kommen, um sich darüber Gewissheit zu verschaffen.

(...)

DR: Welche Bauteile sind besonders sensibel und gefährdet?

DZ: Im Prinzip sind immer die tragenden Teile kritisch: Lenker, Sattelstütze, Vorbau und Gabel. Wir als Prüfer haben die Erfahrung gemacht: Man kann aus Karbon sensationelle Teile bauen, aber man kann auch Teile herstellen, die optisch genauso viel hermachen - aber technisch ganz schlecht sind. Solche Bauteile sollte man daher immer aus der seriösesten Quelle kaufen.

DR: Lassen denn die Hersteller die nötige Sorgfalt walten?

DZ: Die Unterschiede sind unglaublich. Man kann aus Karbon die besten Sachen bauen - oder die schlechtesten. Das Verrückte: Die meisten Karbonsachen kommen aus der gleichen Gegend in China. Und da lässt Hersteller A in einer chinesischen Firma fantastische Sachen bauen, während Hersteller B im gleichen Unternehmen ganz mieses Zeug produzieren lässt.

(...)

DR: Gibt es keine gesetzlichen Vorschriften oder Normen, welche Teile wieviel aushalten müssen?

DZ: Doch, aber das sind nur Mindeststandards, die für den Raum der Europäischen Union gelten. Und die sind nicht gerade anspruchsvoll. 

Zurück